Natürliche Haltung

Viele Sportpferde frusten einen Alltag in Gitterboxen und dem Gang zur täglichen Bewegung in die Führmaschine oder in die Halle. Paddocks sehen sie nur dick in Gamaschen und Decken eingepackt - und ja nicht mit anderen Pferden. Klar, die hohe Verletzungsgefahr kennen wir alle. Aber wieso haben so viele Menschen vergessen, dass wir mit Lebewesen arbeiten? Fluchttiere, Herdentiere! Nur weil viele Leute heute mehr oder weniger isoliert in ihrer kleinen eigenen Welt leben, ist das kein Grund, sein Pferd zu isolieren. Pferde wurden vom Menschen vor Jahrtausenden für seine Zwecke gezähmt, als sie in völliger Freiheit lebten. Da ist es doch das Mindeste, dass wir ihnen diese Freiheit außerhalb der Trainingseinheiten zurückgeben.


Meine Pferde stehen in einem kleinen Privatstall, welcher meinen Schwiegereltern gehört. Da ist nicht viel mit schicki-micki, aber die Pferde leben nahezu naturtreu. Täglicher Weidegang von morgens bis zum Sonnenuntergang sind für mich völlig normal und notwendig. Und auch auf Gamaschen und Co. wird bei uns komplett verzichtet. Die Wärmebildung unter den dicken Lagen über die vielen Stunden wäre enorm und viel zu gefährlich, dass die Beine dadurch Schaden nehmen. Und auch, wenn sich meine Pferde mal kappeln und auch mal einen Kratzer abkriegen, werden sie davon nicht sterben. 

 

 

Bei Starkregen bleiben sie dann doch mal einen Tag in der Box, um die Wiesen zu schonen, da sonst die komplette Grasnarbe aufgewühlt werden würde. Und schon am nächsten Tag sind sie wie ausgewechselt. Unausgeglichen, nach draußen drängend und unzufrieden. Natürlich wissen meine Pferde, dass es bei besserem Wetter sofort wieder hinaus geht, aber man bemerkt trotzdem sofort die Veränderung. Und ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie es aussieht, wenn sie endlich wieder auf die Weide kommen. Toben, Buckeln, Steigen - und nein ich habe keine Angst, dass dabei etwas passiert, ich bin einfach nur glücklich, weil meine Pferde es sind.