Nicht unsere Zeit

Unsere Saison begann sehr erfolgreich. Es gab kaum einen Turnierplatz, den wir ohne Schleife verlassen haben. Wir haben unsere Form von Anfang an beweisen und im Verlaufe der Turniere noch steigern können. Ich war guter Dinge meinem Ziel - dem ersten S*** - näher zu kommen. Lumpi hat sich immer in Kampfbereitschaft gezeigt und hat immer alles für mich gegeben. Rhusty hat nach kurzer Verletzungspause endlich tolle Fortschritte gemacht und wir waren auch bei ihm sehr zuversichtlich.

Und dann kam alles anders. Es kam, wie es kommen musste. Das Leben ist eine Achterbahn. Und bei mir ging es dann rapide bergab. Alles begann am 14. Juli mit der Diagnose Sehnenschaden bei Rhusty. Nach seinen 2 Haarrissen in der Vergangenheit bedeutete das für ihn und mich, dass er wahrscheinlich nie, wie beim Kauf geplant, in der Vielseitigkeit laufen wird. Nicht, weil die Verletzung nicht heilen würde oder ähnliches. Aber er hatte immer dann Rückschläge, wenn das Training bergauf ging. Und durch monatelange Pausen musste man immer wieder von 0 anfangen. Der war mit seinen 7 Jahren noch immer nicht in der Lage einen ruhigen kontrollierten Parcours zu springen. Nach dem Sehnenschaden wird das antrainieren nicht leichte werden. Wir stressen ihn und uns auch nicht damit, um keinem an dieser Stelle zu schaden. Er wird nach der Heilung erst noch einmal einige Monate nur auf Koppel und im Wald bei Ausritten und bei der Bodenarbeit verbringen, um ihm Zeit zu geben. Einerseits, um die Heilung vollkommen zu garantieren und andererseits, um ihn nicht sofort nach der Pause wieder zu arbeiten und Stress zu riskieren. Er ist so ein starkes Charakterpferd, das würde er uns übel nehmen. Vielleicht geschieht ja ein Wunder und er ist plötzlich ein nervenstärkeres Pferd als vorher.

 

„Du hast ja immer noch Lumpi“ habe ich immer zu hören bekommen. Und ja. Unsere Saison mit Platzierungen bis S** war auch durchaus toll. Aber so schnell kann es eben gehen. Er hatte nach den German Friendships 3 Wochen Urlaub. Das hieß wirklich Urlaub. Ich bin in der Zeit selbst 3 Mal geritten. 2x noch Lynn, sonst stand er komplett auf Weide. Als wir ihn wieder anfangen wollten, war ein Eisen sehr locker getreten und er lahmte. Der ersten Vermutung nach wegen dem Eisen, er ist ja sehr zimperlich. Neue Eisen drauf, große Hoffnung - immer noch lahm. Auf Beugeprobe ganz deutlich. Konnte also nicht der Huf sein. 

Die Tierärztin kam dann am 24. August und er war so schmerzemfindlich, eine Beugeprobe war kaum möglich. Gelenkkapseln und Gewebe überdehnt. Wohl beim Abtreten des Eisens. Toll. 2 Tage vorm Turnier. Da er aber so schlimm empfindlich war, haben wir sicherheitshalber geröntgt. Nur gut, dass wir das gemacht haben. Am gleichen Bein etwas unterhalb des Fesselgelenks ist ein Haarriss zu sehen. Das bedeutete für ihn 6-8 Wochen Boxenruhe. Damit bin ich ja leider vertraut. 

 

 

Für mich ist es einfach derzeit Pech auf ganzer Linie. 2 Top-Pferde im Stall und beide krank. Wie es nun weiter geht? Ich weiß es nicht so recht. Die Saison ist auf jeden Fall gelaufen. Die Jungs bekommen jetzt alle Zeit der Welt, um wieder fit zu werden und dann kann es weiter gehen. Der bevorstehende Kontrolltermin bringt hoffentlich Rhusty wieder auf die Koppel, um ihm die Langeweile in der Box und auf dem kleinen Paddock zu nehmen. Ich habe ihm bisher viel Zeit eingeräumt und werde das auch in Zukunft tun. Wir arbeiten mit Lebewesen und mit deren eigenen Charakteres, das müssen wir akzeptieren und damit umgehen lernen.